Geschichte

Die Geschichte des Rohnhauserhofes lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen und ist dementsprechend umfangreich. Aus Gründen der Übersicht wurde sie daher in einzelne Kapitel unterteilt. So kann jeder den für sich interessanten Abschnitt lesen, ohne alles durchsuchen zu müssen!

Inhaltsübersicht:

 

Vom 14. bis Mitte des 18. Jahrhunderts

Das Hofgut Ruhenhusen

"Wenn man von Dingelsdorf den Weg dem See entlang nach der Marienschlucht wandert, erblickt man in der Ferne hochragend ein stattliches, gleich dem Wohnsitz eines Landadels dünkendes Gebäude, das Wohnhaus von Hof Rohnhausen.Das Wohnhaus Rechts und links ist das Hofgut von Wald umsäumt, der einen gewissen Windschutz bietet. Wir haben das Muster einer Waldrodung vor uns, wie sie vor vielleicht tausend Jahren geschaffen wurde. Zwischen den domänenärarischen Waldungen Sack und Höhe fristet diese Waldenklave ein geruhsames, paradiesisches Dasein. Ein Besuch des Hofes bietet für den Volkswirt wie dem Naturfreund gleich großen geistigen und seelischen Gewinn." So beginnt die geschichtliche Beschreibung des Rohnhauserhofes von Dr. Theodor Humpert, aus der auch im folgenden viele Informationen stammen, welche aber nicht wörtlich übernommen wurden. Das Gut erscheint urkundlich zum erst Mal im Jahre 1311 in einer im Generallandesarchiv in Karlsruhe aufbewahrten Urkunde. Damals hieß es Ruhenhusen, was aus dem althochdeutschen ruh = rauh abzuleiten ist und Siedelung auf der rauhen, von Wind und Wetter ungeschützten Höhe des vorderen Bodanrückens bedeutet. Die Bezeichnung Ru(c)henhusen kann auch von der Konstanzer Familie Ru(c)h her kommen, die den Hof wahrscheinlich schon früh als Reichenauer Lehen in Besitz hatte.
   In jener Zeit war der Hof in eine Anzahl von Lehengütern aufgeteilt, die dem Abt und Kloster auf der Reichenau eigentümlich und an den adeligen Burkard von Dettingen verlehnt waren. Im Jahre 1340 wurden von den Bauerngütern "ze Ruhenhusen gelegen, du lehen sint von dem abbt und dem gozhuse in der Richenowe" (Karlsruher Generallandesarchiv) je zwei von Burkart Heppe, von Hollin, einer Witwe, und ihren Kindern, von einem Bauern mit Namen Saine (Same) je eines von dem Bauern Taescher, von Egolf, vom Bauer Rengeler und von Wankkeli pachtweise bewirtschaftet. Der eigentliche Lehensträger Burkard von Dettingen verkaufte in gleichem Jahre mit Genehmigung seines Landesherren, des Abts Diethelm von Reichenau, neun von den besagten Bauerngütern und den Pachtzins aus dem von Waekkeli bewirtschafteten Bauerngut in der Höhe von acht Schilling um den Preis von 161 Pfund Pfennigen Konstanzer Währung an den Konstanzer Bürger, Konrad den Bader jung von St. Gallen, unter dem Vorbehalt des Beholzigungsrechts im Wald von Dettingen (Roth von Schreckenstein, die Insel Mainau, S. 300).
   Im Jahre 1386 kam die Deutschordenskommende Mainau zum erstenmal in den Besitz von Rohnhausener Hofteilen, indem der Komtur Eberhard von Königsegg ein Haus nebst einer Wiese um den Preis von 15 Pfund Pfennigen dem Konstanzer Bürger Ulrich Harzer kaufte. Der Hof muß in jenen Zeiten eine größere Siedelung gewesen sein. Auch die Adeligen Konrad und Heinrich von Möggingen und das Konstanzer Spital waren dort begütert. Heinrich von Möggingen vertauschte am 14. April 1401 seine vordem von dem Pächter Hans Gäßler bewirtschaftete Hofstatt in Rohnhausen (Ruchahusen) gegen eine dem Hause Mainau gehörende und von Kunz Zimmermann (Zymmerman) bebaute, und 1403 veräußerte er seine von den Bauern Eberle und Klaus Vatter bewirtschafteten Lehensgüter um den Preis von 40 Pfund Pfennige an dem Komtur zu Mainau, Heinrich von Schlett. Bei der Beurkundung des Kaufgeschäftes übergab Abt Friedrich von der Reichenau auch andere Hofteile, die das Haus Mainau von den Brüdern Heinrich und Konrad von Möggingen (Mekingen) käuflich erworben hatte, der Kommende Mainau zu eigen und löste den Lehensverband und die Hörigkeit an Reichenau auf. Fortan darf also die Deutschordenskommende Mainau als alleinige Inhaberin des Gutshofes Rohnhausen angesehen werden.
   Sie verlehnte den großen wie den kleinen Hof ihrerseits wieder an Pächter. So hatte im Jahre 1477 Konrad im Aich den sogenannten kleinen Hof inne. Er bewirtschaftete ihn aber so schlecht, daß er dem Deutschorden den Pachtzins von 10 Pfund und 8 Schilling Pfennigen, 73½ Malter und vier Viertel Teesen, 30½ Malter und vier Viertel Hafer, 30 Hühnern und 200 Eiern schuldig war und nur durch die Fürsprache einer Anzahl von Gönnern, nämlich des Komturs Heinrich Spät zu Lumiswald, Albrechts von Klingenberg, des Amtmanns Ulrich Ber zu Dingelsdorf und der Herren Junker Martin Huber, Heinrich Hag und Hans Hermann, die für ihn bürgten, vor dem vor dem zwangsweisen Abzug verschont blieb. Er scheint fürderhin nicht Erbpächter geblieben zu sein.

zurück zum Seitenanfang

Im 18. Jahrhundert

Der Neubau

Die ganze Hofsiedelung befand sich nicht immer auf dem gegenwärtigen Platz, sondern soll etwas weiter gegen Westen, in einer Mulde beim Wald Sack gestanden sein. Bereits um 1680 wurde mit dem Bau der neuen Hofsiedlung begonnen.Im Jahre 1766 wurden die Arbeiten am Neubau des Hofes mit der Fertigstellung des Wohnhauses beendet. Der Hof besteht aus einer um ein großes Rechteck gescharten geschlossenen Siedlung; vorn in der Richtung gegen Dettingen das stattliche, zweistöckige Wohnhaus im barocken Stil, dessen Architekt der Deutschordensbaumeister Franz Anton Bagnato (eine Kurzbiographie mit einigen seiner Werke finden Sie 'hier'), Sohn des Johann Kaspar Bagnato, gewesen ist. Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war dort auch der Förster des Bezirks beherbergt. Im Rücken des Wohnhauses befinden sich die Ställe und die Scheune (dies war das älteste und gleichzeitig grösste Gebäude), links Backhaus und Pferdestall, rechts eine alte Kelter mit Hanfreibe und der Schweinestall (ebenfalls unter Bagnato erbaut). Eine (erst später erstellte) Scheune für Frucht und Grasfutter steht rechts jenseits des Wegs nach Langenrain. Von den hier erwähnten Gebäuden stehen heute nur noch das Wohnhaus und das als Schweinestall mit Kelter und Hanfreibe beschriebene.
Das Wappen über der TürÜber dem Türsturz des Eingangs in das Wohngebäude, zu dem man über eine Steintreppe gelangt, ist ein in Sandstein gehauenes Wappen eingelassen, das schon manchem Kopfzerbrechen bereitet hat. Es zeigt das in der Form des Eisernen Kreuzes gehaltene Deutschordenskreuz, mit einem Fünfeckigen, nach innen abgerundeten Herzschild, der einen abhehmenden Halbmond im Felde trägt. Auf dem Kreuz liegt ein Halbmond, aus dem ein gepanzerter Ritter mit einem Spieß in der rechten Hand wächst. Zu beiden seiten des Wappens sind mehrere Buchstaben gleichmäßig verteilt. (Siehe Bild; beim draufklicken erhalten Sie eine vergrösserte Ansicht) Sie wollen besagen, daß "Beat Conrad Philipp Friedrich, Freiherr Reuttner von Weyl Ratsgebieter der Ballei Elsaß und Burgund, Comtur zu Mainau, Teutsch-Ordens-Ritter" im Jahre 1766 den Hof und das Wohngebäude hat erbauen lassen. Damit ist das Geheimnis der toten Buchstaben gelöst.
 

zurück zum Seitenanfang

Beginn 19. bis Ende 19. Jahrhundert

Der Fall an Baden

Badisches WappenDer Hof Rohnhausen verblieb bis 1805 im Besitz der Deutschordenskommende Mainau. Als in diesem Jahre der Deutschritterorden durch die Säkularisation unter Napoleon aufgehoben wurde, fiel der Hof an das Land Baden. Er ist dem Domäneamt Konstanz unterstellt. In den Hofgebäuden mussten seit dem Übergang an das Land Baden verschiedene Instandsetzungsarbeiten vorgenommen werden. Eine Brunnenleitung wurde im Jahre 1833 mit einem Aufwand von 181 fl (Gulden) und 48 kr (Kreuzer) erstellt. Im Jahre 1831 war Philipp Gieß, um 1868 Bernhard Hierling, 1885 dessen Sohn Johann Baptist Hierling Beständer des Hofs.

zurück zum Seitenanfang

Ende 19. Jahrhundert bis 1947

Schwere Zeiten

Mit der Pachtübernahme durch Martin Aichem im Jahre 1892 begann die Linie der Familie, die den Hof noch heute gepachtet hat. Nach seinem Tod übernahmen ihn seine Söhne Stefan und Friedrich, wobei Friedrich nach Dettingen zog und somit Stefan Aichem der alleinige Pächter war, was er bis 1947 geblieben ist. Vorzeiten muß das Hofgut, wie gesagt, viel größer gewesen sein. Parzellierungen, wohl zu Gunsten der Dettinger, wurden vorgenommen; im Jahre 1903 war eine völlige Aufteilung des Hofguts und parzellenweise Verpachtung an die Dettinger geplant, es wurden aber nur 2,33 ha, und zwar die sogenannten Streuwiesen ausgeschieden.
   Von den Geschehnissen während des Ersten Weltkrieges ist kaum etwas überliefert oder bekannt. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde die Arbeit jedoch erheblich erschwert. Stefan Aichem war kein Parteimitglied und somit bei der Verteilung von Düngemitteln, Gerätschaften, Futtermitteln und dergleichen erheblich benachteiligt. Während des oder nach dem Krieg wurden die Stallungen oftmals geplündert und Pferde und Rinder entwendet, teils von deutschen oder später auch von französischen Besatzungstruppen. Im Jahre 1940 wurde der erste Traktor für den Rohnhauserhof gekauft: ein 'Kramer K18M', der heute noch auf dem Betrieb ist.

zurück zum Seitenanfang

Ab 1947

Die Staatsdomäne Rohnhauserhof

Um 1947 kam es zur nächsten Hofübergabe innerhalb der Familie. Die Tochter von Stefan Aichem, Maria Aichem heiratete Johann (Hans) Kärcher. Er wurde der neue Pächter.
   1952 wurde der Hof zu einer Staatsdomäne des neu gegründeten Bundeslandes Baden-Württemberg. In den folgenden Jahren traten einige Veränderungen ein. So wurden die alten Pferdeställe zur linken des Wohnhauses abgerissen und 1954 durch ein neues Gebäude ersetzt. Mit der voranschreitenden Maschinisierung der Landwirtschaft wurde die Arbeit leichter, es wurden jedoch immer noch drei Knechte und einige Mägde angestellt, die bis 1962 ihren Dienst taten. Der letzte von ihnen verbrachte seinen Ruhestand bis zu seinem Tod im Jahr 2011 auf dem Rohnhauserhof. Der Ackerbau wurde vorangetrieben und verbessert und als weiteres Standbein Milchkühe gehalten.
   Die bis dato durch den Hof führende Landstrasse zwischen Dettingen und Langenrain verlegte das Land Baden-Württemberg 1972 auf ihre heutige Position, die alte ist jedoch noch erhalten und stellt die Zufahrt zum Hof sicher. 1974 wurde auf Mutterkuhhaltung umgestellt und 1978 aufgrund der veralteten Stallungen die Viehhaltung gänzlich aufgegeben und die bisher nur sehr kleine Hühnerhaltung ausgebaut. Im Jahre 1978 übernahm Hans-Adolf Kärcher, Landwirtschaftsmeister, Sohn von Johannes und Maria Kärcher, den gesamten Betrieb, den er seitdem führt. 1994 wurde die alte Feldscheune zur rechten der Strasse abgerissen und durch eine moderne Maschinenhalle ersetzt.
   Das alte Stallgebäude gegenüber des Wohnhauses war zwischenzeitlich sogar für die Hühnerhaltung nicht mehr tragbar und es wurde die Genehmigung für einen Neubau ersucht, welche aber scheiterte. 1997 bauten wir schliesslich auf eigene Kosten den am linken Stallgebäude angesetzten Hühnerstall und stellten dabei auf die Bodenhaltung um (siehe Rubrik 'Eier'). Besagtes altes Stallgebäude wurde schliesslich 1999 ersatzlos abgerissen. Seit 2001 produzieren wir nicht nur Qualitätsgetreide, sondern auch Saatgut. Dafür und um in der Ernte flexibler zu sein bauten wir im Jahre 2002 am Standort der früherern Grasfuttersilos auf eigene Kosten ein Getreidelager.

zurück zum Seitenanfang

Der Rohnhauserhof heute

Ein moderner landwirtschaftlicher Betrieb

Die folgenden Bilder sollen aufzeigen, wie sich der Hof und einige Arbeiten im Lauf der Jahrzehnte verändert haben.
 

Hof von Westen mit Stall im Hintergrund Hof von Westen mit Lagerhalle im Hintergrund


Hier sind das Wohnhaus und das Wirtschaftsgebäude zu sehen, links um 1970 mit dem Stallgebäude im Hintergrund (1999 abgebrochen), rechts 2005 jetzt mit Getreidelager (erbaut 2002).
 

Hof von der Höhe aus Hof von der Höhe aus, 2005


Der Hof vom höchsten Punkt der Gemarkung Konstanz aus. Die Veränderungen sind deutlich zu sehen.
 

Getreide verladen per Lastwägele Getreide verladen per LKW


In den 60er Jahren wurde das Getreide wie links gezeigt verladen, seit 2002 auf grossen LKWs.
 

Abtanken während der Ernte Weizenernte 2006

Ernte mit gezogenem Mähdrescher (CLAAS Super Junior) in den 60er Jahren
und 2006 mit dem Selbstfahrer (CLAAS Medion 310).

zurück zum Seitenanfang